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Journal

Alte Uhr ölen: Warum Nachölen allein nicht genügt

 

Michael Manßhardt, Uhrmachermeister, mit einer Taschenuhr

Von
Uhrmachermeister und Restaurator

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die alte Uhr läuft nur noch kurz. Vielleicht fehlt ihr einfach Öl? Der Gedanke liegt nahe – doch bevor Sie eine Pendeluhr ölen, sollte geklärt sein, weshalb sie stehen bleibt. Schmierung gehört zur Pflege eines mechanischen Uhrwerks. Sie beseitigt aber weder vorhandenen Verschleiß noch ersetzt sie die Reinigung verschmutzter Lagerstellen.

Offenes Uhrwerk während der Montage: Eine Pinzette hält ein Rad über der Werkplatte
Blick in ein geöffnetes Uhrwerk bei der Montage. Originalaufnahme aus dem Bildarchiv von Michael Manßhardt.

Was Öl im Uhrwerk leisten soll

An vorgesehenen Schmierstellen hilft ein geeigneter Schmierstoff, Reibung und Verschleiß zu vermindern. Dafür müssen Sorte, Menge und Einsatzstelle zusammenpassen. Hans Jendritzki behandelt die Schmierung deshalb als gezielte Arbeit an einzelnen Stellen. Auch ein Zuviel kann bei kleinen Kräften die Bewegung behindern. [1]

Ein Uhrwerk besteht aus unterschiedlichen Lagerungen, Gleitflächen und Bauteilen. Es wird nicht flächig mit Öl benetzt. Die Fachstandards des American Watchmakers–Clockmakers Institute unterscheiden die zu schmierenden Stellen und verweisen bei neueren Werken auf die Herstellerempfehlungen. [2] Aus dem Alter oder Aussehen einer Uhr allein lässt sich daher keine geeignete Schmieranweisung ableiten.

Warum Nachölen allein nicht genügt

In alten Uhrwerken können Öl und Staub klebrige Ablagerungen bilden. Falscher Schmierstoff oder eine zu große Menge können solche Verschmutzungen begünstigen. Das Canadian Conservation Institute beschreibt diese Verbindung von Schmutz und alten Ölrückständen ausdrücklich. [3] Frisches Öl entfernt die Rückstände nicht.

Ebenso wenig stellt es die Form eines verschlissenen Lagers oder eines beschädigten Zapfens wieder her. Eine Uhr, die nach dem Nachölen zunächst läuft, ist damit noch nicht auf ihren mechanischen Zustand geprüft. Entscheidend bleibt, ob die Teile sauber, passend und ohne schädliche Beeinträchtigungen zusammenarbeiten.

Reinigung, Prüfung und Schmierung gehören zusammen

Welche Arbeiten erforderlich sind, ergibt sich aus dem Befund. Nicht jede Störung verlangt eine vollständige Überholung. Ist eine umfassende Werküberholung nötig, beschreiben die AWCI-Fachstandards jedoch die Zerlegung, Reinigung und Prüfung der Einzelteile sowie die erforderliche Instandsetzung. Das bloße Besprühen oder Eintauchen eines zusammengesetzten Werks gilt dort nicht als vollständige Überholung. [2]

Auch in Jendritzkis Darstellung sind Reinigen, Zusammensetzen und Ölen aufeinander bezogene Arbeiten. Die Lagerstellen werden sorgfältig gereinigt und das Räderwerk auf freien Lauf geprüft. [1] Welches Verfahren zur jeweiligen Uhr passt, hängt auch von ihren Materialien und ihrem Erhaltungszustand ab.

Was Sie vor dem Termin festhalten können

Für unser Gespräch sind Ihre Beobachtungen wertvoll: Seit wann läuft die Uhr unregelmäßig? Wann wurde sie zuletzt gewartet? Wurde bereits ein Mittel aufgetragen? Falls ja, bringen Sie dessen Bezeichnung oder ein Foto der Verpackung mit. Sie müssen das Werk dafür nicht selbst zerlegen.

Überlegen Sie außerdem, wie Sie Ihre Uhr künftig nutzen möchten. Bei bedeutenden historischen Uhren und uhrenähnlichen Instrumenten gehen wir behutsam vor und versuchen, den Originalzustand möglichst beizubehalten. Den passenden Umfang der Arbeiten besprechen wir gemeinsam. Lesen Sie zur Vorbereitung die Fragen für das Gespräch im Atelier oder vereinbaren Sie direkt einen Termin mit Michael Manßhardt in Lauingen an der Donau.

Weiterführend: Verschlissene Lager erkennen und beurteilen.

Quellen und Fachliteratur

[1] Hans Jendritzki: Reparatur antiker Pendeluhren, Editions Scriptar, vierte Auflage, S. 117–118, „Reinigen – Zusammensetzen – Ölen und Ingangsetzen“. Eingesehenes Exemplar aus der Fachbibliothek von Michael Manßhardt.

[2] American Watchmakers–Clockmakers Institute: Clockmakers Standards and Practices, Version 9AC, S. 7, „General Movement Servicing“, sowie S. 9, Punkte 14–17.

[3] Canadian Conservation Institute: Basic care – Clocks and watches, Abschnitt „Cleaning“, Absatz zu alten Öl- und Schmutzablagerungen.

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