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Carriage Clocks – Geschichte und Restaurierung
Von Michael Manßhardt · Uhrmachermeister und Restaurator
Was ist eine Carriage Clock?
Eine Carriage Clock ist eine tragbare mechanische Reiseuhr. Viele der bekannten französischen Exemplare haben ein verglastes Metallgehäuse und einen Tragegriff. Durch die Scheiben lässt sich ein Teil der Mechanik beobachten. Schon hier lohnt sich der genaue Blick: Welche Baugruppen sind vorhanden, und welche Funktionen hat die Uhr tatsächlich?
Von frühen Reiseuhren zur verbreiteten Bauform
Ein frühes dokumentiertes Beispiel ist Breguets Reiseuhr Nr. 178. Napoleon Bonaparte erwarb sie im April 1798; sie besaß einen Kalender und ein Schlagwerk. [1] Breguets Dokumentation belegt diesen einzelnen Zeitmesser. Die später verbreiteten französischen Carriage Clocks des 19. Jahrhunderts bilden eine vielfältige Gruppe mit unterschiedlichen Werken, Gehäusen und Ausstattungen.
Für mich ist deshalb zunächst die konkrete Uhr entscheidend. Eine Bezeichnung wie „Offiziersuhr“ oder „Carriage Clock“ beschreibt eine Uhrenart, aber noch keinen Hersteller und keine vollständige technische Ausstattung.
Im Video sehen Sie eine von mir restaurierte Carriage Clock mit einem Halbstunden-Rechenschlagwerk.
Was lässt sich am Aufbau erkennen?
Typisch sind ein Federantrieb und ein kompaktes Gehäuse, häufig aus Messing mit eingesetzten Glasscheiben. Viele Ausführungen besitzen eine Unruh als Gangregler. Die Form des Tragegriffs, die Gestaltung der Oberflächen und die Anordnung der Bedienelemente unterscheiden sich je nach Ausführung.
Ein Schlagwerk ist nicht bei jeder Carriage Clock vorhanden. Andere Modelle bieten zusätzlich eine Repetition, einen Wecker oder Kalenderanzeigen. Welche Funktionen eine Uhr hat, lässt sich am Werk und an den zugehörigen Bedienelementen feststellen. Ein Gehäuse allein beantwortet diese Frage nicht.
Wie ich eine Carriage Clock restauriere
Zuerst bespreche ich mit Ihnen, wie Sie die Uhr nutzen möchten und welche Veränderungen Sie bemerkt haben. Anschließend prüfe ich den Zustand von Werk und Gehäuse. Bei der Mechanik interessieren mich unter anderem Lager, Zapfen, Verzahnungen und das Zusammenspiel von Geh- und gegebenenfalls Schlagwerk.
Ich möchte vorhandene Teile erhalten, soweit ihr Zustand das zulässt. Ist eine Ergänzung erforderlich, unterscheide ich klar zwischen einem historischen Ersatzteil und einer Neuanfertigung. Ein nachgefertigter Sperrkegel kann die Funktion wiederherstellen; er bleibt dennoch ein neues Bauteil. Ebenso ist eine gealterte Vergoldung kein Anlass, das gesamte Gehäuse pauschal auf Hochglanz zu bringen. Solche Maßnahmen werden am Befund begründet und mit Ihnen abgestimmt.
Das folgende Video zeigt die Anfertigung zweier neuer Sperrkegel.
Worauf ich bei einem Sammlerstück achte
Eine Signatur, die Ausführung des Werks und erhaltene Oberflächen können wichtige Hinweise geben. Ich betrachte dabei auch frühere Reparaturen und die Frage, ob die Teile plausibel zusammengehören. Ein bekannt klingender Name ersetzt diese Prüfung nicht.
Welchen Marktwert eine Uhr hat, hängt außerdem von Zustand, Originalität und Nachfrage ab. Eine Restaurierung sollte deshalb ein nachvollziehbares Ziel haben. Eine Wertsteigerung lässt sich daraus nicht pauschal ableiten.
Umgang mit einer alten Reiseuhr
Verwenden Sie zum Aufziehen einen passend sitzenden Schlüssel und halten Sie sich an die Bedienung der jeweiligen Konstruktion. Bei auffälligem Widerstand, ungewohnten Geräuschen oder einem Ausfall sollten Sie die Ursache prüfen lassen. Bitte nicht mit Kraft weiterdrehen oder wahllos Öl einbringen.
Ist die Wartungsgeschichte unbekannt, bespreche ich mit Ihnen, welche Untersuchung vor einem regelmäßigen Betrieb sinnvoll ist. Die passenden Prüf- und Wartungsabstände richten sich nach Zustand und Nutzung Ihrer Uhr.
Was Sie vor dem Termin festhalten können
Beschreiben Sie, ob die Uhr vollständig stehen bleibt oder ob nur eine zusätzliche Funktion ausfällt. Ist die Störung plötzlich aufgetreten? Was ist über frühere Wartungen oder Reparaturen bekannt? Solche Beobachtungen helfen bei der ersten Einordnung.
Fotos der ganzen Uhr, des Zifferblatts und zugänglicher Signaturen ergänzen die Beschreibung. Sie müssen das Werk dafür nicht selbst zerlegen. Bei der Untersuchung kläre ich, welche Teile erhalten werden können und ob Ergänzungen nötig sind. Daraus ergeben sich Arbeitsumfang und Kosten.
Ein stehen gebliebenes Werk sollte nicht auf Verdacht nachgeölt werden. Warum das keine Reparatur ersetzt, erläutere ich im Beitrag Alte Uhr ölen.
Quellen und Einordnung
[1] Breguet: Napoleons Erwerb der Reiseuhr Nr. 178 im Jahr 1798. Historischer Nachweis zu diesem einzelnen Zeitmesser.
[2] Canadian Conservation Institute: Basic care – Clocks and watches, Abschnitt zur Beurteilung vor einer Wiederinbetriebnahme.
Sie möchten Ihre Carriage Clock prüfen oder restaurieren lassen? Senden Sie mir einige Fotos und beschreiben Sie, was Ihnen aufgefallen ist. Gemeinsam klären wir, was erhalten bleiben soll und welche Arbeiten dafür nötig sind. Den allgemeinen Ablauf finden Sie im Beitrag Antike Uhren restaurieren.
Was kann ich für Sie tun?
Nutzen Sie mein Kontaktformular. Ich freue mich auf Sie und helfe Ihnen gerne weiter!
Alternativ können Sie mir auch eine E-Mail an info@mm-uhrenatelier.sbs schicken.
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