Journal
Antoine Redier – Kalenderuhren
Eine Uhr zeigt den Kalender – aber was schaltet sie selbst?
Von Michael Manßhardt · Uhrmachermeister und Restaurator
Eine Kalenderuhr zeigt neben der Uhrzeit weitere Angaben wie Wochentag, Datum oder Monat. Welche davon automatisch weiterschalten und welche von Hand korrigiert werden müssen, hängt vom Mechanismus ab. Genau hier lohnt sich bei einer Redier-Uhr der zweite Blick.
Joseph-Antoine-Jean Redier war ein französischer Uhrmacher und Erfinder des 19. Jahrhunderts. Ein konkretes Beispiel seiner Kalenderuhren bewahren die Museums Victoria: eine Pariser Uhr aus den 1870er-Jahren mit getrennten Anzeigen für Wochentag, Datum und Monat.
Rediers Name begegnet auch bei Weckern
Das Wien Museum führt einen „Französischen Wecker nach Redier“ aus der Zeit von 1870–1890 und nennt Redier als Patentinhaber. [2] Die Formulierung „nach Redier“ ist dabei zu beachten: Sie beschreibt den Bezug des Museumsobjekts zu seiner Konstruktion. Daraus folgt weder, dass er jedes erhaltene Stück selbst gefertigt hat, noch eine weltweite Ersterfindung des Weckers.
Automatische Anzeige ist nicht gleich ewiger Kalender
Beim Exemplar der Museums Victoria wechseln Wochentag und Datum automatisch. Der Monat wird nach der Objektbeschreibung von Hand eingestellt. [1] Diese unterschiedliche Bedienung ist für das Verständnis der Uhr wichtiger als die pauschale Bezeichnung „Kalenderuhr“.
Ein ewiger Kalender berücksichtigt darüber hinaus unterschiedlich lange Monate und den Schaltjahresrhythmus innerhalb seiner konstruktiven Grenzen. Ob eine Uhr das leisten kann, muss am konkreten Werk festgestellt werden. Mehrere Kalenderfenster allein sind dafür kein Nachweis.
Worauf ich bei der Restaurierung achte
Bei einer Kalenderuhr genügt es nicht, nur den Gang zu prüfen. Ich untersuche auch, wie der Kalender vom Uhrwerk angetrieben wird, wie die Anzeigen schalten und ob frühere Reparaturen diesen Ablauf verändert haben. Eine stockende Anzeige kann unterschiedliche Ursachen haben; zusätzliche Kraft bei der Verstellung löst das Problem nicht.
Zunächst dokumentiere ich den Zustand und die vorhandenen Teile. Mit Ihnen bespreche ich, welche Funktionen wieder nutzbar sein sollen und welche historischen Oberflächen erhalten bleiben. Reinigung, Reparaturen und notwendige Ergänzungen richten sich nach diesem Befund. Zifferblatt und Gehäuse werden nicht pauschal erneuert.
Nach der Montage werden die Kalenderfunktionen zusammen mit dem Uhrwerk geprüft. Dazu gehört auch, Ihnen die zur Konstruktion passende Bedienung zu erklären. Bei einer unbekannten Uhr sollte man die Verstellmöglichkeiten deshalb zuerst klären, bevor man am Kalender dreht.
Ihre Kalenderuhr bleibt stehen oder schaltet nicht richtig?
Beschreiben Sie mir, was genau passiert: Bleibt das ganze Werk stehen, bewegt sich eine Anzeige nicht mehr oder stimmt der Wechsel nicht mit der Uhrzeit überein? Fotos der Uhr und ihrer Kalenderanzeigen helfen mir bei der ersten Einordnung. Den weiteren Arbeitsumfang klären wir nach einer Untersuchung.
Kalenderfunktion und Herkunft getrennt beurteilen
Eine Signatur kann helfen, eine Uhr einzuordnen. Sie bestätigt aber nicht automatisch, dass alle Teile unverändert zusammengehören. Deshalb betrachte ich den Namen zusammen mit dem Werkaufbau, dem Gehäuse und belegten Vergleichsobjekten.
Auch die Ausstattung muss am einzelnen Stück festgestellt werden. Die Beschreibung einer bestimmten Redier-Uhr ist eine gute Vergleichsgrundlage, ersetzt aber keine Untersuchung einer anderen Uhr.
Was wir im Atelier gemeinsam klären
Bringen Sie Ihre Beobachtungen und vorhandene Unterlagen mit. Wichtig ist außerdem, welche Nutzung Sie sich wünschen und welche Oberflächen erhalten bleiben sollen. Nach der Zustandsprüfung kann ich erläutern, welche Arbeiten an Uhrwerk, Kalendermechanismus und Gehäuse erforderlich sind und welche Eingriffe vermieden werden können.
Für die erste Anfrage helfen Fotos der ganzen Uhr, der Kalenderanzeigen und zugänglicher Signaturen. Bitte nichts zerlegen oder eine schwergängige Verstellung erzwingen. Meine Hinweise für Anfragefotos zeigen, welche Ansichten nützlich sind.
Quellen und Vergleichsobjekte
[1] Museums Victoria: Kalenderuhr von Antoine Redier, Paris, 1870er-Jahre, Inventarnummer ST 29749. Die Objektbeschreibung erläutert die automatische Tages- und Datumsanzeige sowie die manuelle Monatseinstellung.
[2] Wien Museum: Französischer Wecker nach Redier, 1870–1890, Inventarnummer U 2364.
Diese Sammlungsnachweise beziehen sich auf die genannten Museumsobjekte. Sie dienen zum Vergleich und belegen nicht die Herkunft aller hier gezeigten Uhren.
Was kann ich für Sie tun?
Nutzen Sie mein Kontaktformular. Ich freue mich auf Sie und helfe Ihnen gerne weiter!
Alternativ können Sie mir auch eine E-Mail an info@mm-uhrenatelier.sbs schicken.
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