Journal
John Ebsworth – Londoner Uhrmacher des 17. Jahrhunderts
Von Michael Manßhardt · Uhrmachermeister und Restaurator
Wer war John Ebsworth?
John Ebsworth war ein Londoner Uhrmacher des späten 17. Jahrhunderts. Die Worshipful Company of Clockmakers führt ihn für 1697 als Master. [1] An erhaltenen Uhren lässt sich nachvollziehen, wie seine Werkstatt Mechanik und Gestaltung miteinander verband. Für die Beurteilung eines einzelnen Stücks sind solche Vergleichsobjekte hilfreicher als pauschale Aussagen über den Ruhm eines Herstellers.
Ein erhaltenes Beispiel im Victoria and Albert Museum
Das V&A verwahrt eine Ebsworth signierte Standuhr, die es auf 1690–1695 datiert. Sie besitzt ein gewichtsgetriebenes Werk mit etwa einem Monat Gangdauer, ein Schlagwerk auf Glocke und eine Mondanzeige. Das Gehäuse ist mit Nussbaum furniert und mit floralen Einlegearbeiten gestaltet.
Der Museumskatalog beschreibt außerdem Reparaturspuren und Veränderungen, etwa ergänztes Material an den Ankerpaletten. [2] Das macht den Eintrag für mich besonders nützlich: Er erfasst auch die Eingriffe, die das Werk im Laufe seiner Geschichte erfahren hat.
Was bedeutet Monatsgang?
„Month-going“ bezeichnet eine Gangdauer von ungefähr einem Monat zwischen zwei Aufzügen. Das ist eine Eigenschaft der Konstruktion, keine Aussage über einen geringen Wartungsbedarf. Auch ein Monatswerk kann verschlissene Lager, beschädigte Zapfen oder ungeeignete frühere Reparaturen aufweisen.
Bei einer Untersuchung interessiert mich deshalb, wie die Energie durch das Räderwerk übertragen wird und in welchem Zustand die beteiligten Bauteile sind. Eine lange Gangdauer auf dem Papier sagt noch nicht, ob eine alte Uhr heute zuverlässig laufen kann.
Was ich vor einer Restaurierung kläre
Eine Signatur ist ein wichtiger Hinweis. Für eine belastbare Einordnung betrachte ich sie zusammen mit Konstruktion, Gehäuse, Bearbeitungsspuren und vorhandenen Unterlagen. Dabei ist zu unterscheiden, was zur ursprünglichen Ausführung gehört und was später ergänzt oder verändert wurde.
Mit Ihnen bespreche ich zunächst das Ziel: Soll die Uhr regelmäßig laufen, oder steht ihr Erhalt als historisches Objekt im Vordergrund? Daraus ergibt sich, welche Eingriffe sinnvoll und vertretbar sind. Alte Teile und Oberflächen möchte ich so weit wie möglich bewahren. Notwendige Ergänzungen werden dokumentiert.
Was Sie zur Einordnung beitragen können
Bekannte Herkunftsangaben, alte Rechnungen und Hinweise auf frühere Reparaturen helfen, die Geschichte einer Uhr nachzuvollziehen. Fotografieren Sie das ganze Stück, das Zifferblatt und zugängliche Signaturen. Sie müssen die Uhr dafür nicht zerlegen.
Eigenschaften eines Museumsobjekts lassen sich nicht auf jede Uhr mit demselben Namen übertragen. Monatsgang, Kalenderanzeigen oder die Originalität einzelner Teile sind am jeweiligen Stück zu prüfen. Wie ich dabei vorgehe, erläutere ich unter Antike Uhren restaurieren.
Quellen und Einordnung
[1] Worshipful Company of Clockmakers: Past Masters – John Ebsworth, 1697.
[2] Victoria and Albert Museum: Longcase Clock, John Ebsworth, 1690–1695, Inventarnummer W.95:1 to 5-1962. Die Angaben beziehen sich auf dieses Museumsobjekt; es dient als Vergleich, nicht als Herkunftsnachweis für andere Uhren.
Sie besitzen eine frühe englische Uhr und möchten mehr über ihren Zustand oder eine mögliche Restaurierung erfahren? Schreiben Sie mir, was Sie bereits über das Stück wissen und was Ihnen daran wichtig ist. Im Restaurierungsgespräch klären wir gemeinsam die nächsten Schritte.
Was kann ich für Sie tun?
Nutzen Sie mein Kontaktformular. Ich freue mich auf Sie und helfe Ihnen gerne weiter!
Alternativ können Sie mir auch eine E-Mail an info@mm-uhrenatelier.sbs schicken.
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